WIEGHARDT ‑ Über Ursprung und Verbreitung unseres Familiennamens
Die Herleitung aus alten Rufnamen kann als sehr wahrscheinlich angenommen werden
“Der Grundbestand an heimischen Rufnamen, die zur Bildung von Familiennamen benutzt wurden, wird auf einen alten germanischen, bereits aus dem Indoeuropäischen ererbten zweigliedrigen Typ zurückgeführt."
“Zur Bildung dieser altdeutschen zweistämmigen Rufnamen wurde ein ganz bestimmter Wortschatz benutzt."
“Die Komponenten der .... Familiennamen aus heimischen Rufnamen lassen sich .... auf althochdeutsche Bestandteile zurückführen."
In unserem Fall sind diese Quellen anzunehmen.
wig >>> “Kampf", “Streit", “Krieg" und hart >>> "hart", "streng”, vielleicht auch mittelhochdeutsch: wigant >>> “Krieger", “Held" und hart >>> “Wald" (Hardt).
Nachgewiesen sind in den Jahren 845 Wichhardus, 961 Wichart, 1326 Wigard, Wigardi, 1352 Wykart, 1401 Weychart, 1407 Weikert, 1447 Wichhard, Wichhardi.
In Deutschland treten daraus abgeleitet folgende Familiennamen auf:
Weichert, Weichhardt, Weickardt, Weickart, Weicker, Weickert, Weigert Weikard, Weikart, Weikert, Wichard, Wichart, Wicher, Wichert, Wiechert, Wiechard, Wiegert.
Im diplomatischen Kodex der sächsischen Könige [2] sind folgende Namen aufgeführt:
Weickart, Weighart, Weyghart Wichard, Wieghart, Wigharde, Wighart, Wyghardi, Wyghart.
In Dörnthal wird 1449 ein Caspar Wighart genannt [2], Abkömmling einer Freiberger Patrizierfamille, “eines der ältesten und vornehmsten Geschlechter Freibergs, welche dem Bergbau ihre Erhebung verdanken”. Ein Nicol Wighard war bereits 1297 Bürgermeister zu Freiberg, weitere zwei Bürgermeister, mehrere Ratsherren und ein Domherr dieses Namens sind nachweisbar. In der Folgezeit wurden die Namen allerdings mehrfach anders geschrieben, und zwar:
Weickardt, Weickart, Weikart, Weyckardt, Wickart, Wieghart, Wiggart, Wigkart, Wyghart.
Der Familienname WIEGHARDT tritt (für unsere Familie) erstmalig 1810 im Heiratseintrag für Kaersten (Carsten) August Friedrich Wiechard im Kirchenbuch der Kirchgemeinde St. Martini zu Minden als handschriftliche Korrektur auf. Dies ist sicherlich im Zusammenhang mit der von Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den eroberten Gebieten eingeführten Schreibreform und auch in Verbindung mit der Einrichtung von Standesämtern zu sehen [3].
Quellen:
[l] Familiennamen, Hrsg. H. Naumann, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1987.
[2] Herrmann, Walter, Ortschronist von Dörnthal/Mittlerer Erzgebirgskreis, persönliche Mitteilungen.
[3] Zacker, Christina: Anleitung zur Ahnenforschung; Weltbild Verlag Augsburg, 1994.